Gregor & Taube                  Schola Freiburg

Die Abbildung zeigt David und Gregor auf einem überarbeiteten Konsulardiptychon
aus Monza mit den ersten zwei  Versen aus dem Prolog zum römischen Antiphonale,
der in zehn verschiedenen Texten des 9. bis 11. Jahrhunderts überliefert ist.
In der Fassung des Tropus zum Introitus vom 1. Adventssonntag lautet er:

Gregorius Praesul meritis et nomine dignus,
Papst Gregor, verehrungswürdig durch seine Verdienste und seinen Ruf,
unde genus ducit,
der dort, woher er stammt,
summum conscendit honorem;
die höchste Stufe der hierarchischen Leiter erklommen hat,
renovavit monumenta patrum priorum;
hat erneuert die Leistungen seiner Vorgänger,
tunc composuit hunc libellum musicae artis
indem er dieses vorliegende Buch mit seinen kunstvoll gestalteten Gesängen
Scholae cantorum anni circuli;
zum Gebrauch seiner Schola cantorum durch das ganze Kirchenjahr verfasste;
eia, paraphonista, dic cum psalmista:
wohlan, Chorsänger, sprich mit dem Psalmisten:
Ad te levavi animam meam...
Zu dir erhebe ich meine Seele...


Die Choralschola Freiburg möchte zur Pflege des gregorianischen Chorals neue Impulse geben. Sie bietet deshalb seit 1988 Gemeinden  der Region Breisgau-Hochschwarzwald regelmäßig ihren liturgischen Dienst an. Die Schola vereint entgegen der volksliturgischen Tradition aus den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts Frauen- und Männerstimmen im Sinne einer  menschlichen und klanglichen Bereicherung.
 
Neben den Ordinariumsgesängen aus dem Gotteslob werden die Propriumsgesänge in einer von der Editio Vaticana zum Teil abweichenden Fassung gesungen, die nach den ältesten Handschriften aus dem 10. und 11. Jahrhundert korrigiert wurde. Dabei werden den Antiphonen zur Eröffnung, zur Gabenbereitung und zur Kommunion Psalmverse aus den alten Kodizes hinzugefügt, wie es nach der Kirchenmusikinstruktion des Konzils wieder möglich ist. Die Schola versucht in ihrem Gesang, die Ergebnisse der semiologischen Forschung (d.h. die musikalische Deutung der handschriftlichen Notenzeichen) in die Praxis umzusetzen, um die Macht und die Lebendigkeit des liturgischen Wortes spüren zu lassen.

Die Choralschola Freiburg hat seit 1988 in über 75 Kirchen der Region Breisgau-Hochschwarzwald weit über 200 Gottes- dienste und Konzerte mit Gregorianischem Choral gestaltet, um den „der römischen Liturgie eigenen Gesang“ wieder ins Bewusstsein zu rufen. Diesem Auftrag sollen auch die abendlichen Meditationen dienen, die in unregelmäßigen Abständen in der alten Kirche von Merzhausen stattfinden.

Mitglied der Schola kann jede(r) werden, die/der im Sinne der genannten Ziele ein besonderes liturgisches Interesse hat und sich stimmlich einordnen möchte in den Gesamtklang eines einstimmigen Chores.

Probe: Montags nach Vereinbarung

Falls Sie in Freiburg und Umgebung wohnen, könnten Sie durch Ihren Beitritt zur Choralschola Freiburg deren Fortbestand in den kommenden Jahren sichern helfen!

Anfragen an den Leiter der Schola: Anton Stingl jun.
Im Laimacker 55, 79249 Merzhausen, Tel. & Fax (0761) 402611

Kirchenmusikalische Mitteilungen, Heft 59/Mai 2008:

Cantate Domino canticum novum”
20 Jahre Choralschola Freiburg

■ Für den Gregorianischen Choral wurde seit seiner Entstehung im 8. Jahrhundert immer wieder geworben. So wählte man bereits bei seiner Einführung im Frankenreich die überragendste Gestalt aller Päpste der vergangenen Zeiten, des Papstes Gregors des Großen als (vermeintlichen) Urheber der römischen Gesänge. Nachdem bereits im 12. Jahrhundert die Bedeutung des Choralgesangs im Zuge der aufkommenden Mehrstimmigkeit stark zurückgegangen war, kam es in der Folgezeit zu Verfälschungen und Verstümmelungen der gregorianischen Melodien, die in der Ausgabe der sog. Medicaea (1614) ihren Höhepunkt erreichten.
   Zur Zeit der Wiederbelebung des Gregorianischen Gesangs im Kloster von Solesmes versuchte man auch in St. Gallen die Begeisterung für den Choralgesang mit dem „Cantarium Sancti Galli“ (1845) zu wecken: „ … nehmen sich insbesondere die Herren Geistlichen im Vereine mit Lehrern und Musikfreunden der Sache an, so ist der … Choralgesang … in den meisten Landkirchen auszuführen und das weichliche Gewimmer geistloser Opernmessen und der gemeine Unfug unwürdiger Modearien wird von selbst aus unsern Kirchen nach und nach verdrängt werden. Hat selbst Luther sich für die Beibehaltung der alten Gesänge der katholischen Kirche erklärt und dabei bemerkt: es sei schade, wenn diese köstlichen Gesänge untergehen müssten, wie sollten die Katholiken an neue Modeware den großen Schatz der alten Choralgesänge vertauschen können, die in den schönsten Zeiten der Kirche aus der reinsten Begeisterung hervor-gegangen, als eine ihrer schönsten Überlieferungen geachtet und bewahrt zu werden verdienen.“

■ Die Idee von Frank Leenen, dem damaligen Bezirkskantor in Hinterzarten und heutigen Domkapellmeister in Rottenburg, mittels einer Regionalschola den Gregorianischen Choral in denjenigen Pfarrgemeinden lebendig zu erhalten, die keine eigene Schola unterhalten können, wusste die Choralschola Freiburg mit ihren zuletzt 5 Sängerinnen und 3 Sängern erfolgreich in die Tat umzusetzen. Es gelang ihr, während 20 Jahren in 79 Gemeinden der Region Breisgau-Schwarzwald-Baar bei 183 Gottesdiensten und Konzerten mitzuwirken. Besonders häufig wurde die Schola von den Pfarreien St. Leodegar in Schliengen (18mal), Mariä Himmelfahrt in Umkirch (16mal) und St. Martin in Freiburg (13mal) angefordert. Da es der Schola in erster Linie darum ging, Proprium und Ordinarium an ihrem angestammten Platz im Gottesdienst zu singen, blieben reine „Konzerte“ die Ausnahme. Diese kreisten thematisch immer um das Proprium eines bestimmten Tages und wurden durch Gesänge aus dem Ordinarium und Offizium und passende Orgelmusik ergänzt. Zuletzt verzichtete man mit Ausnahme einer Marianischen Antiphon auf weitere musikalische Zutaten und trug stattdessen die zugehörigen Lesungen aus der Tagesmesse und den Psalmpredigten des hl. Augustinus vor. Diese Form wurde von den Zuhörern besonders geschätzt, weil der enge Zusammenhang zwischen Lesungen und Choralgesang in sich versenkender Ruhe erspürt werden konnte.

■ Im letzten Jahr gingen die Anfragen der Gemeinden so drastisch zurück, dass die ursprüngliche Idee der Schola zu verlieren gehen drohte. Mit einem dreimaligen Gregorianischen Abendlob konnten die Terminlücken noch überbrückt werden. Selbst mit der europaweit beachteten Webseite des Scholaleiters ließen sich die Verantwortlichen nicht erreichen. Mit der neu eröffneten Möglichkeit, in der Adelhauser Kirche in Freiburg die Messe in der außerordentlichen Form zu feiern, bietet sich eine Chance, das Anliegen der Choralschola Freiburg fortzuführen. Ob in der lateinischen oder in der volkssprachlichen Form ist bisher nur der Gregorianische Choral in der Lage, das Wort der Messliturgie angemessen wiederzugeben. Denn die in den offiziellen liturgischen Büchern angebotene Möglichkeit, die liturgischen Gesänge durch einen „anderen passenden Gesang“ zu ersetzen, hat jedenfalls im deutschen Sprachraum dazu geführt, dass man die Gesänge in der Liturgie für weitgehend beliebig hält. „Der Gregorianische Choral als Prinzip der Ausführung liturgischen Wortes kann uns nicht zuletzt dieses lehren: Gottesdienst muss von einer gewissen meditativen Langsamkeit geprägt sein, muss den Mitfeiernden eine Zeit geben, dem erklingenden Wort nachzusinnen, seine Affekte zu verkosten“ (Reinhard Messner).
                                                                                                                                      Anton Stingl jun.

Inzwischen haben die verantwortlichen Geistlichen in der Adelhauser Kirche in Freiburg die Mitwirkung der Choralschola Freiburg mit Ordinarium und Proprium als zu ausladend abgelehnt.